Am 27. März 2026 stimmte das EU-Parlament für eine Verschiebung der Hochrisiko-KI-Pflichten auf den 2. Dezember 2027. Für HR-Abteilungen mit Bewerbungsscreening-Software, Büros mit biometrischer Zugangskontrolle und Finanzdienstleister mit automatisierten Kreditentscheidungen bedeutet das: mehr Vorlaufzeit. Aber auch: kein Freibrief.
Was genau wurde verschoben?
Der EU AI Act trat im August 2024 in Kraft — seine Pflichten greifen gestaffelt. Hochrisiko-KI-Systeme sind solche, die Entscheidungen über Menschen treffen: Bewerbungen bewerten, Kreditwürdigkeit prüfen, biometrische Identifikation vornehmen. Diese Kategorie hätte ursprünglich bis Mitte 2026 compliant sein müssen. Jetzt gilt Dezember 2027 als neuer Stichtag.
Wen betrifft das konkret im Büroalltag?
Drei Szenarien, die in KMU bereits Realität sind:
- KI-gestütztes Recruiting: Software, die CVs automatisch bewertet oder priorisiert
- Biometrische Zugangskontrollen: Gesichtserkennung oder Fingerabdruck-Scanner im Bürogebäude
- Automatisierte Kreditentscheidungen: Systeme, die Bonität oder Zahlungsverhalten beurteilen
Wenn Sie eines dieser Systeme nutzen oder planen, haben Sie jetzt mehr Zeit — aber die Uhr läuft.
Warum Abwarten trotzdem gefährlich ist
Europäische Datenschutzjuristen warnen ausdrücklich: Die Verschiebung gilt nur für spezifische Hochrisiko-Umsetzungsfristen. Transparenzpflichten, DSGVO-Anforderungen und die Verbotsliste des AI Acts — Social Scoring, emotionale Manipulation — gelten weiterhin unverändert. Wer heute ein System in Produktion bringt, das bestehende Verbote verletzt, riskiert Bußgelder bis zu 35 Millionen Euro oder 7 % des globalen Jahresumsatzes.
3 sinnvolle Schritte für KMU jetzt
Die Verschiebung schafft Spielraum — nutzen Sie ihn strategisch statt passiv:
- KI-Inventar erstellen: Welche Systeme treffen Entscheidungen über Personen? Liste anlegen, Verantwortliche benennen.
- Risikoklassifizierung prüfen: Fällt Ihr System in eine Hochrisiko-Kategorie? Die EU-Leitlinien auf eur-lex.europa.eu geben konkrete Anhaltspunkte.
- Dokumentation starten: Technische Unterlagen, Risikoanalyse, Nutzerhinweise — lieber jetzt strukturiert als 2027 unter Zeitdruck.
Vorbereitung statt Pause
Die klügsten Unternehmen nutzen diesen Aufschub nicht zum Stillstand, sondern zur Vorbereitung. Wer heute seine KI-Tools dokumentiert und bewertet, erlebt 2027 keine bösen Überraschungen — und hat gegenüber Wettbewerbern, die auf den letzten Drücker starten, einen klaren Vorsprung.
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